Hochwasser, Hangrutsch, Erdbeben: Naturgefahren einer Adresse prüfen
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Ob eine Adresse durch Hochwasser, Muren, Lawinen, Hangrutschungen oder Erdbeben gefährdet ist, lässt sich vor dem Kauf prüfen. Entscheidend sind drei Dinge: ob die Adresse in einer Überflutungsfläche liegt (HQ30, HQ100 oder HQ300), ob sie in einer roten oder gelben Gefahrenzone liegt, und ob es in der Nähe dokumentierte Rutschungen gibt. Starkregen kann dagegen fast überall Keller fluten.
Hochwasser: was HQ30, HQ100 und HQ300 bedeuten
Hochwasserkarten zeigen, welche Flächen bei einem Hochwasser einer bestimmten Größe unter Wasser stehen:
- HQ30: ein Hochwasser, das statistisch einmal in 30 Jahren auftritt.
- HQ100: einmal in 100 Jahren.
- HQ300: einmal in 300 Jahren, ein seltenes Extremereignis.
„Einmal in 100 Jahren“ klingt beruhigend, ist es aber nicht: Die Wahrscheinlichkeit liegt bei 1 Prozent in jedem einzelnen Jahr. Über die 30 Jahre eines Wohnkredits gerechnet, erlebt eine Adresse in der HQ100-Fläche mit etwa 26 Prozent Wahrscheinlichkeit mindestens ein solches Hochwasser. Das Hochwasser im September 2024 in Niederösterreich hat gezeigt, wie weit das Wasser reichen kann.
Gefahrenzonen: rot und gelb
Für Wildbäche, Lawinen und größere Flüsse gibt es Gefahrenzonenpläne. Sie unterscheiden vor allem zwei Zonen:
- Rote Zone: Die Gefährdung ist so groß, dass eine ständige Benützung für Siedlungszwecke nicht oder nur mit unverhältnismäßigem Aufwand möglich ist. Neues Bauland wird hier in der Regel nicht gewidmet.
- Gelbe Zone: Die Gefährdung ist geringer. Gebaut werden darf, aber mit Auflagen, etwa erhöhten Eingängen oder verstärkten Wänden.
Dazu kommen Hinweisbereiche, zum Beispiel für Steinschlag und Rutschungen. Die Gefahrenzonenpläne liegen bei der Gemeinde auf, viele Bundesländer zeigen sie auch in ihrem Geodaten-Portal.
Hangrutschungen
Rutschungen treten vor allem an Hängen mit tonigem, wasserempfindlichem Untergrund auf, etwa in der Flyschzone des Wienerwalds oder im steirischen Hügelland. Nach langen Regenfällen kann sich ein Hang in Bewegung setzen und Häuser beschädigen. Österreich führt ein Register dokumentierter Rutschungen. Liegt eine Adresse am Hang, achte auf Risse im Mauerwerk, schiefe Zäune oder Stützmauern, die sich neigen.
Erdbeben
Österreich ist ein Land mit mäßiger Erdbebengefahr. Spürbare Beben gibt es jedes Jahr, Schäden sind selten. Am aktivsten sind das Wiener Becken, das Mürztal und das Inntal. Für Neubauten gelten Normen, die Erdbebenlasten berücksichtigen. Bei einem alten, ungesicherten Haus in diesen Regionen lohnt sich ein Blick auf Kamine, Giebel und Geschoßdecken.
Starkregen: die Gefahr fernab vom Fluss
Hochwasserkarten zeigen Flüsse und Bäche. Starkregen kann aber auch dort Keller fluten, wo weit und breit kein Gewässer ist: wenn das Wasser von einem Hang oder einer Straße zum Haus fließt oder der Kanal zurückstaut. Frag bei einer Besichtigung, ob der Keller schon einmal nass war, ob es eine Rückstauklappe gibt und wohin das Gelände rund ums Haus abfällt.
Was das für Versicherung und Kauf heißt
- Versicherung: Haushalts- und Eigenheimversicherungen decken Hochwasser und Überschwemmung meist nur bis zu einer begrenzten Summe. Frag nach dem genauen Betrag. In stark gefährdeten Lagen kann eine höhere Deckung teuer oder gar nicht zu bekommen sein.
- Katastrophenfonds: Nach einem Hochwasser zahlen Bund und Länder Beihilfen, aber nur einen Teil des Schadens.
- Kauf: Eine Lage in der roten Zone oder in der HQ30-Fläche wirkt sich auf Preis, Versicherung und Finanzierung aus. Prüf sie deshalb, bevor du ein Kaufanbot legst.
So prüfst du eine Adresse
- Schau die Hochwasserflächen HQ30, HQ100 und HQ300 für die Adresse an.
- Frag bei der Gemeinde nach dem Gefahrenzonenplan.
- Prüf, ob in der Nähe Rutschungen dokumentiert sind, wenn das Haus am Hang steht.
- Frag Verkäufer und Nachbarn nach früheren Schäden.
Alles auf einmal zeigt Wohnprobe: Der Bericht zu einer Adresse führt unter „Sicherheit & Risiken“ Hochwasserflächen, Gefahrenzonen, Rutschungen und Erdbebengefahr auf, jeweils für die Adresse selbst.
Häufige Fragen
Was bedeutet HQ100?
Ein Hochwasser, das statistisch einmal in 100 Jahren auftritt. Die Wahrscheinlichkeit liegt bei 1 Prozent pro Jahr, über 30 Jahre bei etwa 26 Prozent.
Darf man in einer roten Gefahrenzone bauen?
In der Regel nicht. In der roten Zone ist die Gefährdung so groß, dass eine ständige Benützung nicht oder nur mit unverhältnismäßigem Aufwand möglich ist. In der gelben Zone darf mit Auflagen gebaut werden.
Wo finde ich den Gefahrenzonenplan für eine Adresse?
Bei der Gemeinde, wo er öffentlich aufliegt. Viele Bundesländer zeigen ihn auch in ihrem Geodaten-Portal.
Ist Hochwasser in der Haushaltsversicherung gedeckt?
Meist nur bis zu einer begrenzten Summe. Frag deine Versicherung nach dem genauen Betrag und ob eine höhere Deckung möglich ist.
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